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Wohl wahr: das neue Jahr kommt hier ziemlich mühsam in die Puschen. Die aktuellen Themen tun sich derzeit sehr schwer damit, mich hinter dem Ofen hervorzulocken, wo seit den Feiertagen noch immer lecker Rotwein umhersteht und bislang liegen gebliebene Belletristik lauert. Natürlich hätte ich mich längst nur zu gerne zum Beispiel über das Bundeskriminalamt lustig gemacht, etwa wenn es auf der Suche nach der ollen RAF-Tante Daniela Klette neue Suchbilder veröffentlicht hätte, die Strafverfolgungsexperten womöglich aus alten Fotos von Frau von der Leyen gemorpht hätten. Aber auf so einen schönen Shice lässt sich das BKA leider nicht ein.
Um derzeit eine Geschichte solchen Zuschnitts zu finden, muss man schon um die Ecke lesen in spanischen Zeitungen oder Blogs. Denn tatsächlich hat sich das FBI zur Anfertigung eines aktuelleren Fahndungsfotos für den guten alten Osama bin Laden einfach im Internet bedient.
Vor beinahe vier Jahren habe ich mich mit dem Schatten des Windes befasst, einem Roman des spanischen Schriftstellers Carlos Ruiz Zafón, über dessen Rezension ich damals versucht hatte, der Leserschaft den Mund wässrig zu machen. Inzwischen liegt längst der Nachfolger vor mit dem Titel Das Spiel des Engels, und wieder geht es in erster Linie um Romanschreiber, um deren Besessenheit, die bis zur Selbstaufgabe reichen kann.
Eine weitere Parallele zwischen den beiden Romanen besteht hinsichtlich des Handlungsortes, denn der Engel spielt sein Spiel ebenfalls im historischen Barcelona, in den finsteren Vierteln zwischen Hafen und den vermeintlichen herrschaftlichen Lebensräumen unterhalb des Tibidabo.
Interessant wird es für den Leser, wenn ihm bewusst wird, dass der Nachfolgeroman nicht etwa als vollkommen eigenständige Geschichte frei schwebt, sondern durchaus an den Schatten des Windes anknüpft. Diese Verknüpfung allerdings ist ein ungewöhnliche.
Also nicht lange um den heißen Brei herum geredet, sondern das Ding gleich mal in die Linse gehalten. So sieht also der Oyo von hinten aus. Von hinten? Ich fange mit dieser Darstellung deshalb an, weil mir der Apparillo von dieser Seite am besten gefällt.
Nicht dass die Vorderseite hässlich wäre; zumindest nicht hässlicher als die anderer E-Book-Reader. Aber die Rückseite hat was. Sie ist mit einer hellgrauen Gummierung überzogen, die echt handschmeichlerisch daherkommt. Ich fasse den Oyo gerne an, er liegt mit seinem Gummirücken angenehm trocken und kühl, aber nicht kalt in der Hand. Außerdem verrät uns die Geräterückseite auch noch ein paar Geheimnisse: Der Aldi-Lieferant Medion hat das Teil scheinbar im Auftrag der Bücherhändler bei Thalia gebaut. Darüber hinaus wissen wir jetzt, dass der Oyo die europäische Zulassung besitzt und einen Ladestrom von maximal 1 Ampere bei 5 Volt verschlingt.
Das finde ich prima: also nicht, dass dieser Oyo so gierig oder so sparsam wäre, sondern vielmehr dass sein Ladegerät, das praktischer Weise einen USB-Stecker aufweist, mit diesen Standardwerten auch zum Laden meines Mobiltelefons herhalten kann. Dessen Ladeknubbel habe ich nämlich leider verloren. Ja, ich weiß natürlich, dass man das nicht machen soll; steht ja sogar in Mikroschrift auf der Rückseites des Oyo drauf. Für jedes Gerätchen gibts ein eigenes Käbelchen mit besonderem Steckerchen; und wir machen alles kaputt, wenn wir hier ungeprüft durchtauschen.
Aber mal ehrlich, wer schafft das schon durchgängig in unserer batteriegepufferten Gegenwart? Ich zum Beispiel bin derzeit zwangsweise rückverpflichtet worden auf Nassrasur, seit Sohn 2.0 das Kabel meines Elektrorasierers verloren hat. Fragen Sie nicht: Ich weiß auch nicht, wie oder warum man ein schwarzes 50-Zentimeter-Spiralkabel mitten im geschlossenen Badezimmer verlieren kann. Vielleicht sind ja jetzt bei den Kids Spiralkabel als Gürtel für die Halbmasthosen angesagt? Ich muss das mal prüfen.
Mein nächster Rasierer hat auf jeden Fall ein USB-Ladekabel, damit ich ihn über den Oyo-Trafo aufladen kann. Sowas muss es doch geben!
Bevor wir uns nun von der Rückseite des Oyo auf seine Vorderseite begeben, muss noch ein Outing zu den Rahmenbedingungen der E-Leserei verkündet werden:
Seit vierzig Jahren bin ich Bücherwurm und türme seither Regalmeter um Regalmeter voll Papierwälzer auf. Auch wenn ich mich von Zeit zu Zeit von einigen der weniger interessanten Bücher trenne, wächst meine Bibliothek von Monat zu Monat weiter an. Gehe ich zu weit, wenn ich behaupte, Bücher aus bedrucktem Papier seien meine Leidenschaft? Vermutlich nicht. Meinen Testbericht zum Oyo sollte man oder frau also immer unter der Prämissen lesen, dass ich angefixter Papierfreak im Endstadium bin.
Im ersten Teil des Tests hatten wir uns im Detail mit der äußerst attraktiven Rückseite des E-Book-Readers Oyo von Thalia beschäftigt. Jetzt drehe ich das Teil mal um, damit Ihr auch einen Blick auf die Vorderseite werfen könnt.
Im ausgeschalteten Zustand sieht Oyo aus wie auf der linken Abbildung. Mitten auf dem Bildschirm prangt sein Name im dezenten Grauton. Man muss übrigens nicht befürchten, dass sich der Schriftzug dauerhaft auf dem Bildschirm einbrennt, da es sich nicht um einen Flüssigkristallbildschirm (LCD) handelt, sondern um eine Variante des sogenannten Elektronischen Papiers.
In den beiden ersten Texten über die E-Leserei habe ich versucht, Euch Äußerlichkeiten des Oyo nahe zu bringen: Vanitas vanitatum! Hier gehen wir nun im wahrsten Sinn des Wortes ins Eingemachte. Was geht ab im E-Book-Reader der Thalia-Buchhändler, wenn wir auf ihm herumtippen? Ich beginne die oyosche Nabelschau mit leerem Akku:
Zwischen der Abbildung ganz links und der auf der rechten Seite liegen eine Stunde und vierzig Minuten. So lange hat der Oyo gebraucht, um nach dem Abschalten wegen leeren Akkus wieder auf volle Ladung zu kommen. Wer die Muße dazu aufbringt, dem Gerät beim Aufladen zuzusehen hier erkennt man wieder einmal das ganze Ausmaß des gemäßigten Temperaments des Autors dieser Zeilen, der sogar dazu in der Lage ist, einer dynamischen Batterieanzeige permanente Aufmerksamkeit entgegen zu bringen , wird rasch einer Eigenart der Bildschirmanzeige gewahr: Das Batteriesymbol flackert beständig zwischen starkem Schwarz-Weiß-Kontrast und dem 16-stufigen Grauwert der normalen Anzeige.
Das liegt an der Bildschirmtechnologie des Elektronischen Papiers, das im Gehäuse des Oyo nicht von der Firma E Ink aus Cambridge (USA) stammt sondern von SiPix, die in Kueishan (Taiwan) produzieren. Im Vergleich zu den aktuellen Bildschirmen von E Ink mit dem Namenszusatz »Pearl«, die meines Wissens in Amazons Kindle 3 und in den neuen Sony E-Book-Readern ihre Dienste tun, scheint mir das Flackern beim Anzeigenwechsel des Oyo besonders stark ausgeprägt zu sein.
Tatsächlich dauert der Seitenwechsel beim Lesen etwa vier Sekunden, sagt zumindest mein Zeiteisen.
Drei Wochen ist es jetzt her, seit Spanien den regierenden Sozialisten um Herrn Zapatero einen Denkzettel verpasst haben und den konservativen Herrn Rajoy als künftigen Regierungschef gewählt haben. Die Zusammensetzung seiner neuen Regierung verschweigt Mariano Rajoy bislang noch immer. Also stelle ich zunächst einmal die Sitzverteilung im Parlament zusammen, wie ich sie letzthin im Netz gefunden habe.
ParteiStimmenanteilMandateP.P.44,62%186P.S.O.E.28,73%110CiU4,17%16I.U.-LV6,92%11AMAIUR1,37%7UPyD4,69%5EAJ-PNV1,33%5ESQUERRA1,05%3BNG0,75%2CC-NC-PNC0,59%2COMPROMÍS-Q0,51%1FAC0,40%1GBAI0,17%1Quelle: elecciones.mir.es/generales2011/
Klar zu erkennen: Die zwei Volksparteien, die Partido Popular um Mariano Rajoy und die Partido Socialista Obrero Español um den Vorsitzenden Manuel Chaves und den gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Alfredo Rubalcaba, sowie die katalanische Convergència i Unió unter ihrem Vorsitzenden Artur Mas (durchaus vergleichbar mit der bayerischen CSU) und die gemeinsame Liste der Izquierda Unida (Vereinigten Linken) und Los Verdes (der Grünen) teilen sich 323 der insgesamt 350 Sitze.
Im Schulalter waren wir alle ganz verrückt nach Ostfriesenwitzen: »Warum nehmen Ostfriesen beim Zubettgehen einen Stein und ein Streichholz mit?« Dieser Witz hat einen Bart wie der Stadthauptmann von Braunau am Inn, aber immerhin erinnere ich mich auch noch nach vier Jahrzehnten an ihn.
In Spanien gibt es auch ein Ostfriesland, die spanischen Ostfriesen leben an der Atlantikküste. Was bei uns die Ostfriesenwitze, das sind in Spanien die chistes de Lepe. Die spanischen Ostfriesen, die Leperos, leben in einem Städtchen mit 27.000 Einwohnern nordöstlich der Mittelmeerdurchfahrt von Gibraltar. Ihre Vorfahren haben bereits an den Entdeckungsfahrten zum amerikanischen Kontinent teilgenommen; der Lepero Rodrigo de Triana soll der erste gewesen sein, der damals Land in Sicht vermeldete.
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Nichts hat es Ihnen genützt, den Leperos. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen sind sie heute Opfer spanischer Witzelsucht: »¿Por qué los de Lepe llevan una bañera encima de la ambulancia?« »Para llevar la sirena.«
Was dem deutschen Michel seine GfdS, das ist dem Spanier das Instituto Cervantes. Na ja, zumindest in Hinsicht auf die Wahl der Wörter des Jahres. Anlässlich des »Día E«, des Tages der spanischen Sprache, zu dem das Cervantesinstitut in 2011 zum dritten Mal aufgerufen hat, haben einige tausend Leute ihr spanisches Lieblingswort gekürt.
Siegreich hervorgegangen aus dieser Abstimmung ist der Vorschlag von Gael García Bernal, eines mexikanischen Schauspielers: »Querétaro« ist zwar nicht im Wörterbuch der Königlichen Spanischen Akademie enthalten, erhielt aber immerhin 5.849 internette Stimmen vor den Verfolgern »gracias«, »sueño« und »libertad«.
Manuel Fraga begann seine politische Karriere 1951, als er während der Diktatur Francos Minister für Information und Tourismus und später zum spanischen Botschafter in London ernannt wurde.
In der ersten freien Regierung unter der Regentschaft von Juan Carlos I ernannte ihn Präsident Carlos Arias Navarro zum Innenminister. Im Jahre 1976 gründete er die Partei Alianza Popular und arbeitete als einer der sieben Begründer an der spanischen Verfassung. Jahre danach wurde die AP in die heutige Partido Popular (PP) umgewandelt: Fraga machte Platz für den späteren Präsidenten José María Aznar.
Zwischen 1990 und 2005 stand Manuel Fraga der Xunta de Galicia als Ministerpräsident vor, seit 1990 war er Ehrenpräsident der PP und seit 2006 Senator im galizischen Parlament.
~
Natürlich polarisiert ein Politiker wie Fraga, der seine Machtposition aus der Franco-Diktatur in die Demokratie hinüberrettete, ungemein. Dies gilt nicht zuletzt deshalb, weil Fraga noch nach der Wende als Innenminister frankistische Splittertruppen innerhalb der Staatspolizei unterstützte, die weiterhin mit Gewalt und Terror für Angst und Schrecken sorgten. Viele Spanier warfen Fraga auch in den letzten Jahren noch seine dunkle Vergangenheit vor.
Als Fraga 1969 den Verdienstorden der BRD verliehen bekam, gab der damalige Chef der Frankfurter Rundschau, Karl Gerold, aus Protest sein Bundesverdienstkreuz zurück.
Wie der Spiegel berichtet, sollen niederbayerische Schüler künftig statt Tschüs die Grußformel Grüß Gott verwenden. Im Artikel heißt es, die Rektorin erkläre »ihre Schule zur Tschüs- und Hallo-freien Zone - die beiden Wörter seien unhöflich. Recht so, meint ein Dialektpfleger, Tschüs tue in den Ohren weh.«
INRI oder Kopftuch, Grüß Gott oder Tschüs: dazu hat natürlich jeder seine sehr fundierte, aber trotzdem subjektive Meinung. Vielleicht hilft es den Passauern, wenn sie sich an einen Bedeutungsvergleich der beiden Grußformeln machen?